Zum 14. August



Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde. - 1. Joh. 1, 7

Du, der du vielleicht ein recht grober Sünder bist, bedenke: Was wiegst du diesem gegenüber? Gib darauf acht, wie der Apostel hier redet! Damit du einigermaßen merken mögest, was dieses Versöhnungsmittel gilt, wollen wir jedes Wort dieses kostbaren Spruches betrachten und — beherzigen.
Betrachten wir zuerst, wer der ist, von dem hier die Rede ist! Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes. Bedenke! Jesus Christus — der solange vorher verheißene „Weibessame“, „der Gesalbte des Herrn“ (Christus), „welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist“, der aber doch in Bethlehem geboren wurde und von dem die Engel in den Wolken sangen: „Euch ist heute der Heiland geboren, der Herr“, und wiederum: „Er soll Jesus heißen; denn Er wird Sein Volk selig machen von seinen Sünden.“ Das Blut dieses Herrn Jesus Christus — bedenke, was das gilt! Welch eine Kraft würde dieser Spruch schon haben, wenn es nur so dastände! Aber es steht etwas noch Herrlicheres darin. Der Apostel will mit Fleiß auf den Wert und die Bedeutung Seiner Person hinweisen, darum hat er noch drei wichtige Worte hinzugesetzt: „des Sohnes Gottes“. — „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes.“
So folge denn recht dem Finger des Apostels und schaue diese Worte „des Sohnes Gottes“ recht an. Ist es möglich, ist es Wahrheit? Und dieser Sohn Gottes vergießt Sein Blut für uns! Ist das Wahrheit? Ja, es ist Wahrheit! Wäre es nicht Wahrheit, dann wäre nichts wahr im Worte Gottes, dann könnten wir alles in den Wind schlagen. Du merkst, dass es Wahrheit ist. Darum bedenke, was dieses bedeutet! Der große, allmächtige Gott, der Herr, der am Anfang die Welt und dieses Menschengeschlecht erschaffen hat, hat die Welt so geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn, Sein eigenes Wesen dahingibt, Ihn in unser Fleisch sich kleiden und unseren Bruder und Mittler werden lässt. Bedenke, welch eine Person! Gott der Herr gab uns nicht einen Engel, nicht einen Heiligen, denn das reichte nicht aus, — sondern den eingeborenen Sohn, wahrer Gott aus Gott und dem Vater gleich an göttlicher Macht und Herrlichkeit. Und Er wird zur Errettung der gefallenen Kinder dahingegeben. Es ist merkwürdig, dass die angenommene Menschheit dieses Sohnes in einer solchen Weise mit der Gottheit vereinigt wurde, dass Sein Blut in der Schrift auch das Blut Gottes genannt wird. Paulus z. B. sagt: „Der Heilige Geist hat euch gesetzt zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche Er durch Sein eigen Blut erworben hat.“ Bedenke, welch ein teures Lösegeld! Die Himmel sind Seiner Hände Werk, die Erde und alles, was darauf ist, hat Er geschaffen, so dass Ihm gegenüber „die Heiden geachtet sind wie ein Tropfen, so im Eimer bleibt, und wie ein Scherflein, so in der Waage bleibt“. Und eben dieser gibt sich sowie Sein Leben und Blut zur Errettung der Menschen dahin.
Von diesem Blut sagt der Apostel nun, dass es „uns reinmacht von aller Sünde“. Was wird mit diesem Reinmachen gemeint sein? Hilft es uns, rein zu werden? Nein, es macht uns rein. — Reinigt es uns von der Lust der Sünde? Nein, es macht uns rein von der Sünde. — Nur von der Sünde der geistlichen Schläfrigkeit und Trägheit? Nein, benutze nur die Augen! „Von aller Sünde“, sagt er. — Und das macht „das Blut“? — Ja, das Blut.
Aber lehrt Johannes nicht, dass der Geist uns reinmacht? Gewiss! Aber nicht in demselben Sinn, wie das Blut des Sohnes Gottes es tut. Es ist durchaus notwendig, dass du, bevor du die Reinigung des Geistes erhalten kannst, zuerst verstehst und glaubst, was dieses Blut gilt. Wäre hier von dem Geist die Rede gewesen, so hätte das Reinmachen die Heiligung bezeichnet; hier aber ist von dem Blut, dem Versöhnungsmittel die Rede. Hier handelt es sich also um die Reinigung durch die Versöhnung und damit um die Tilgung der Schuld. Das nämlich ist es, was Jesus von Seinem Blut sagt, „welches vergossen wird zur Vergebung der Sünden“. Es würde Leben und Geist in deinem Herzen entzünden, wenn du Gnade erhieltest, zu sehen, wie allein das Blut des Sohnes Gottes uns vor Gott von allen Sünden reinmacht, so dass Er selber spricht: „Ihr seid rein!“
Einmal wurden alle Sünden der Welt in Christi Tod getilgt. Der Apostel sagt ausdrücklich, dass Jesus „durch das Blut an Seinem Kreuz alles versöhnte, es sei im Himmel oder auf Erden“, weshalb der versöhnte Gott alle Menschen teuer versöhnt sieht und Seine Botschafter jetzt nur bitten: „Lasset euch versöhnen!“ — Zum anderen folgt daraus — und dies ist es, was unser Text eigentlich bezweckt —, dass ein jeder, der sich an Christus hält, sich wegen der Sünde strafen lässt, sich aber doch am Gnadenstuhle aufhält und also „im Lichte wandelt“, um desselben Blutes willen vor den Augen Gottes beständig rein ist von allen Sünden. Alles Unreine und Sündliche, das noch im Herzen wohnt und sich leider täglich in Gedanken, Worten und Werken regt, wird ihm nie zugerechnet, sondern er ist vor Gottes Augen durch die Versöhnungskraft dieses ewig gültigen Blutes zu allen Stunden rein, er ist wie unter einem beständigen Gnadenregen. Es ist bei Gott entschieden, dass ihm nie eine Sünde zugerechnet werden soll, denn er hat die Versöhnung des Blutes für sich, und deshalb ist er rein. Wie tröstlich, dass dieses Blut vor den Augen Gottes mehr gilt als vor den unseren. Wenn wir auch nicht viel von der versöhnenden Kraft des Blutes sehen und glauben, so gilt es doch vor Gott.
IV/324

Lamm Gottes, Deinen Wunden
Verdank ich’s Tag und Nacht,
Dass sie den Rat gefunden,
Der Sünder selig macht.
Gelobet sei Dein Todesschweiß,
Und allen Deinen Schmerzen
Sei ewig Ehre, Lob und Preis!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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